| Head in the clouds |
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Friday, 14. August 2015
Welcome to far far away
dazzlingmasquerade, 23:13h
Wie fühlt es sich an, wenn Träume wahr werden? Verwandeln sie die Realität in einen magischen Moment? Macht man Luftsprünge oder fängt an zu lachen? Ist man dann glücklich? Oder ist man leerer als zuvor, weil der Träume-Speicher nun um einen Traum ärmer ist? Sind Träume nur in unserer Vorstellung etwas Magisches, gerade weil sie so unerreichbar scheinen?
Ich wusste es nicht. Meine Träume hatten bisher den surrealen Raum meiner Gedankenwelt nie verlassen. Bis ich aus dem Flugzeug stieg. Der Flug ![]() Seit ich denken kann, träume ich davon nach Amerika zu fliegen. Ich weiß nicht genau, warum es mich dorthin zog, irgendwie habe ich mit diesem Land immer Hoffnung verbunden. Eine neue Welt. Ein Abenteuer. Die blassgraue deutsche Realität hat nie so ganz in meine kunterbunten Vorstellungen vom Leben gepasst. Alles zu grau, zu spießig, zu berechenbar, zu langweilig. Man spürt die Ketten der Gesellschaft, die einen förmlich erdrücken. Magie, Liebe, Irrationalität, Spontanität, Abenteuer, Tiefsinn, Herzlichkeit- all das fehlte mir in diesem Land. Ich habe wohl alles was ich dort vermisste in meine Hoffnung gesteckt, es in Amerika zu finden. Endlich irgendwo reinzupassen. Freiheit zu spüren. An einem Ort zu sein, an dem meine innere schillernde Phantasiewelt nicht ganz so surreal scheint. An einem Ort, an dem es nicht ganz so verrückt klingt, die Schranktüre zu öffnen und in Narnia zu landen. Oder Mickey Mouse eine Umarmung zu geben. Seelenverwandte zu finden. Ja, ich hoffte wohl immer auf der anderen Seite des Ozeans würde etwas auf mich warten. Oder jemand. Kurz vor meinem Flug habe ich dann plötzlich Angst bekommen. Was wenn es dort gar nicht so sein würde, wie in meiner Vorstellung? Was, wenn es so wäre? Was, wenn dort gar nichts auf mich warten würde? Ich dort ebenfalls nicht hereinpassen würde? Ich glaube, zum Mars oder Jupiter zu fliegen kann ich mir wohl abschminken. Vor meiner Abreise bin ich wochenlang nicht im Geringsten nervös oder aufgeregt gewesen. Ich hatte auch kein bisschen Angst. Ich wollte einfach nur endlich weg. Mein Leben lang wollte ich in die große weite Welt hinaus, mich ins Abenteuer stürzen, aus dem Alltag ausbrechen, alles was war hinter mich lassen und von vorne anfangen. Und wenn schon nicht nach Narnia oder Hogwarts, dann doch zumindest nach Amerika. Wovor sollte man schon Angst haben? Ich habe schon Dinge erlebt, wovon die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass es sie überhaupt gibt. Es gibt nichts mehr, wovor ich Angst haben könnte. Es war einfach an der Zeit, sich zu verabschieden. Menschen zu vergessen. Kapitel abzuschließen. Endgültig. Kurz vor meinem Flug, war ich mir so sicher, dass das die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Alles fühlte sich richtig an, als wären die Dinge so wie sie sein sollten. Als wäre ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oder würde es sein. Meine Hinreise war anstrengend, die Nacht vor dem Fug habe ich überhaupt nicht geschlafen, genauso wenig konnte ich im Flugzeug schlafen. Das ist eigentlich zeimlich einfach bei mir: Kein Bett = kein Schlaf Aufgeregt = Kein Schlaf Hungrig = Kein Schlaf Übermüdet = Kein Schlaf Alles in allem hab ich’s also nicht so mit schlafen. Das Essen im Flugzeug war grauenvoll, ich meine- wenn es schon so ungesund und fettig ist, könnte es doch wenigstens schmecken? Ich war also am verhungern und todmüde, als ich neun Stunden später in Chicago ankam. Und dann fing der Horror erst an, als ich mich hinter gefühlt eintausend asiatischen Touristen anstellen musste, um durch die Security zu kommen. Und mein Anschlussflug ging in einer Stunde. Ich habe mich dann einfach mal trotz boshafter Blicke elegant nach vorne gedrängelt (ja geht natürlich gar nicht, mein schlechtes Gewissen hielt ganze 5 Sekunden), danach musste ich durch den Flughafen sprinten (wortwörtlich) und kam noch kurz vor knapp am Gate an, nur um dann im Flugzeug mitzukriegen, dass der Flug aufgrund einer Regenfront erst einmal nicht starten könne. Kein Problem, in Sacramento wartete ja nur mein Shuttle nach Chico auf mich, bereits bezahlt natürlich. Wir kamen dann zum Glück noch kurz vor knapp an und mit der überaus herzlichen Hilfe einer Amerikanerin habe ich den Shuttle dann doch noch erwischt. Das hat mich ehrlich begeistert- die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit in Amerika kann man nicht in Worte fassen. In Deutschland könnte man sterbend auf der Straße liegen und selbst dann noch würden sich die Menschen überlegen ob sie einem denn helfen. In Amerika muss man gar nicht um Hilfe bitten, sie wird einem direkt angeboten. Als ich dann von Sacramento nach Chico gefahren bin, ist es dann so langsam eingesickert, dass ich wirklich hier bin. Auch wenn ich es noch nicht richtig fassen konnte. Alles war so anders. Und ich war, überrumpelt von der Herzlichkeit der Amerikaner und der schönen Natur, voll und ganz in meiner Kultur-Honeymoon-Phase. Als ich dann jedoch im Motel ankam, kam dann unerwarteterweise ganz schnell der Kultur-Schock. Ich hatte das Gefühl, in einem schlechten Krimi Thriller gelandet zu sein, die Möbel waren alt und stanken, die Bettbezüge waren in einem abartigen grün, die Türe sah aus, als könnte man sie jeden Moment ohne größere Probleme eintreten und draußen vor meiner Türe lungerten merkwürdige Gestalten herum, während sich in meinem Hotelzimmer mein gesamtes Vermögen befand, das ich in Amerika besaß. Und in der Ferne hörte ich dann auch noch Polizeisirenen und quietschende Autos, halleluja. Obendrein war ich am verhungern, ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt sicher zwölf Stunden nichts gegessen. Also packte ich meinen Mut zusammen und ging nach draußen. An einer Tankstelle kaufte ich mir Wasser, zu essen gab es hier nichts außer Chips, Süßigkeiten und eingepackte Brownies. Ich fühlte mich wie ein Alien, als ich mit den Dollarscheinen an der Kasse rumhantelte. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich diese riesigen Straßen überqueren sollte! Da waren zwar Ampeln, aber nichts wo ich hätte drücken können. Später habe ich dann herausgefunden, dass die Fußgänger-Ampeln hier von alleine auf Grün und rot schalten und man gar nichts drücken muss. Sie zählen dann auf einem Bildschirm die Sekunden herunter, bis es wieder rot wird. ![]() Ich habe mir an diesem Abend dann gegenüber vom Motel noch einen mexikanischen Burrito gekauft, den ich ganz böse im Motelzimmer auf dem Bett verschlungen habe. Danach war dann wieder alles gut und der Kultur-Schock erstmal überwunden. Ich habe ihn auf den Namen „Notfall-Burrito“ getauft. War sicher nicht das letzte Mal, dass ich ihn gegessen habe. ... link (0 Kommentare) ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2015.08.14, 23:30 status
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Wie fühlt es sich an, wenn Träume wahr werden?... by dazzlingmasquerade (2015.08.14, 23:30) |